30.03.2022

WENN ALLES KACKE IST


Vergangene Woche überwand sich der geschätzte Morgenmagazinmoderator Benjamin zu der rhetorischen Frage, ob man mehrere Tage wolkenlosen Himmels tatsächlich als gutes Wetter bezeichnen könne. 

Es gehe halt nicht nur um Badehosen, sondern auch um Trockenheit, Ernteausfälle und Niedrigwasser. Von Waldbränden ganz zu schweigen.


Stimmt, dachte ich, weil viele Dinge zwei Seiten haben. 

Bemerkenswert fand ich jedoch, dass es dem guten Benjamin unangenehm schien, darauf hinzuweisen. 

 

Nur zwei Stunden später entschuldigte sich eine Moderatorin im Radio. 

Als ob es nicht schon genügend schlechte Nachrichten gebe, würden sie jetzt auch noch über Sonnenstürme berichten. Der Gefahr ins Auge zu sehen, sei aber bekanntlich besser als hinterher zu heulen. 

Deswegen lasse sich das Thema nicht vermeiden. 

 

Das klang früher anders, dachte ich in meiner Freude über Sonnenschein und wissenschaftliche Radiosendungen und kam zu folgender Feststellung: 
Wenn alles kacke ist, fühlt es sich anscheinend kacke an, weitere Kacke zu verkünden.

 

Fra(n)g:
Artgerecht formuliert fragen wir uns also, warum Überbringer
von Bad News auf einmal ihr schlechtes Gewissen betonen.
 
ANTreas:
Vermutlich wegen der Masse an Bedrohungen:
Corona, Krieg und Klima mit sämtlichen Folgen.
Und jetzt auch noch Will Smiths Ohrfeige.
 
Fra(n)g:
Aber da können Moderatoren nichts für.
 
ANTreas:
Sie wissen aber, dass die Leute sie besser leiden könnten,
wenn sie auch mal was Schönes erzählen würden.
 
Fra(n)g:
Dann bauen sie also schwindender Beliebtheit vor?
 
ANTreas:
Indem sie darauf hinweisen, dass journalistische Notwendigkeiten
ihr Verständnis für die Sehnsüchte nach netten Mitteilungen schlagen.
Genau.
 
Fra(n)g:
Dabei sind ja nicht die Nachrichten böse, sondern die Welt,
die sie beschreiben.
 
ANTreas:
Richtig beobachtet.
Wenn man Bad News googelt, werden einem übrigens
Neuigkeiten aus deutschen Kurorten geliefert.
 
Fra(n)g:
<braucht eine Weile>
Ah. Bad News.
Und bei Good News?
 
ANTreas:
Da kommen Websiten und Rubriken mit guten Nachrichten.
Dass Querschnittgelähmte mit eingesetzten Elektroden ein paar Schritte gehen können, dass ein Lobbyregister für den Bundestag eingeführt wurde, dass in Saudi-Arabien Frauen seit Kurzem Lokführerinnen werden dürfen, dass Ameisen Krebszellen erschnüffeln können, dass Umweltschutz in Italien in die Verfassung aufgenommen wird und so weiter.
 
Fra(n)g:
Hat es Ihnen gutgetan, das zu lesen?
 
ANTreas:
Und wie! Oder etwas sachlicher gesagt: Es schadet garantiert nicht.
Für diese gute Nachricht verbürge ich mich persönlich.
 
Fra(n)g:
Sie gehen ordentlich ran heute.
Trotzdem hat man das Gefühl, dass schlechte Stories
mit mehr Bazooka daherkommen.
 
ANTreas:
Ein paar Tage Sonnenschein statt des üblichen Wolkenstaus im nördlichen Alpenvorland und das ein oder andere Sonnenstürmchen sind für sich genommen auch keine großen Sachen.
 
Fra(n)g:
Das heißt, die Einordnung ins große Ganze und der Hinweis
auf böse Auswirkungen steigern das Spektakel?
 
ANTreas:
So kann man es sagen - auch wenn es natürlich richtig ist,
diese Zusammenhänge zu präsentieren.
 
Fra(n)g:
Dass die weltweite Gleichberechtigung einen Schritt nach vorn gemacht hat, wie man an den saudischen Lokführerinnen sieht,
klingt auch nach mehr.
 
ANTreas:
Die Online-Recherche von Good und Bad zeigt übrigens auch,
dass das Gute eine Rubrik als Rechtfertigung des Erscheinens braucht. Das Schlechte hingegen darf ganz selbstverständlich
zur Nachricht werden.
 
 Fra(n)g:
Sie meinen, man hat schlechte Neuigkeiten
zu Standardnews befördert?
 
ANTreas:
Wahrscheinlich verkaufen sie sich besser.
 
Fra(n)g:
Vielleicht ist das Entschuldigungsbedürfnis von Moderatoren
dann doch nicht so weit hergeholt.
 
ANTreas:
Man könnte aber auch sagen, die Welt ist noch nicht ganz verloren.
 
Fra(n)g:
Wie meinen Sie das?
 
ANTreas:
Kennen Sie den Spruch News is what’s different
 
Fra(n)g:
Sie meinen, dass Hund beißt Mann keinen Neuigkeitswert hat, 
während Mann beißt Hund eine Nachricht ist?
 
ANTreas:
Genau. Und immerhin zeigt dieses alte Motto, 
dass wir Krieg, Umweltzerstörung und Virusattacken 
noch nicht als Normalzustand akzeptieren. 
 
Fra(n)g:
Das versöhnt einen ein wenig mit der Menschheit. 
 
ANTreas:
Und sorgt dafür, dass man sich weniger über die schlechte Nachricht 
an sich grämt. 
Die Welt, die sie beschreibt, ist natürlich etwas anderes. 
 
Fra(n)g:
Ob das tröstet?
 
ANTreas:
Falls nicht, könnte man es auch mathematisch angehen.
 
Fra(n)g:
Sie geben heute aber alles. 
Vielleicht müssen wir sie als Lobbyist für Good News 
ins neue Register eintragen lassen.  
Was meinen Sie mit mathematisch?
 
ANTreas:
Nach den Regeln der Wahrscheinlichkeit 
kommen nach schlechten auch wieder gute Phasen.
 
Fra(n)g:
Aber der Lauf der Dinge verhält sich nicht wie ein Würfel mit sechs Seiten oder wie 49 Lottokugeln.
 
ANTreas:
Mannomann. 
Dass das mit der Wahrscheinlichkeit seine Tücken hat, weiß ich selbst. 
Mit ihrer Kleinkrämerei machen Sie mir meinen schön optimistischen Schluss zunichte. 
 
Fra(n)g:
Sie meinen, ich habe die gute Nachricht verhagelt?
 
ANTreas:
Kein Grund zur Selbstanklage. 
Lesen Sie lieber jeden Tag ein paar gute Nachrichten, die sind im Netz leicht zu finden. 
 
Fra(n)g:
Oder ein paar Neuigkeiten aus deutschen Kurorten. 
Das ist sicher auch erbaulich.

 

18.03.2022

WER RÄT DENN DA?


Neulich haben wir unser Bücherregal ausgemistet. 

Die Exemplare ohne Eselsohren, zum Teil sogar noch eingeschweißt, standen ganz unten. Ungelesene Lebensratgeber, gutgemeinte Präsente, die uns auf die Sprünge helfen sollten. 

 

Offensichtlich glauben Bekannte und Kollegen, dass die persönlichen Potenziale bei uns in der Wohnung rumgammeln wie Fusseln unter einem alten Teppich. 

Man hält uns für zu unglücklich, zu hektisch, für mangelhafte Sozialwesen und sanierungsbedürftige Eheleute. 

 

Laut Klappentexten wären wir vor Glück strahlende Alltagshelden geworden, wenn wir die Plastikfolie von den Werken gerissen und die vielen Tipps befolgt hätten. 

 

Haben wir aber nicht. Wir haben sie gespendet. 

Mögen nun andere Leute über ihre Schatten springen, die Komfortzone verlassen, dahin gehen, wo es auch mal wehtut oder ihre Vorhaben visualisieren. 

 

Wir denken lieber nach und suchen eigene Wege. 

 

 Fra(n)g:
Warum sind Ratgeberbücher so populär?
 
ANTreas:
Tipps zur Lebensführung verkaufen sich ja nicht nur in Buchform. Auch im TV und Magazinen. Und online werden wahrscheinlich Millionen von Tipps am Tag gegeben.
 
Fra(n)g:
Woher kommen die vielen Menschen, die fünf, sieben oder zwölf Schritte, Wege oder Übungen zur Selbstfindung, -verwirklichung oder -erkenntnis anbieten?
 
ANTreas:
Die sprechen zwar verständlicher als sie, sind aber ansonsten auch nur wissenschaftliche Laien. Hobby-Psychologen mit drei Wochenendseminaren bei anderen Hobby-Psychologen. Manche sind sogar Ghostwriter mit erfundenen Alter Egos.
 
Fra(n)g:
Und die helfen dann der Allgemeinheit?
 
ANTreas:
Dem ein oder anderen sicher.
Aber in erster Linie befriedigen sie den Anspruch ihrer Kunden, sich zu verbessern.
 
Fra(n)g:
Ohje, die Selbstoptimierungshölle.
Volle Konzentration auf das Ich.
 
ANTreas:
Seien sie nicht so streng.
Es ist nicht verwerflich, nach Höherem zu streben.
 
Fra(n)g:
So wie sie das sagen, klingt es edel.
Aber oft ist es nichts anderes als Egoismus, der sich im Gewand der Ambition versteckt.
 
ANTreas:
Das wiederum klingt selbst ziemlich ambitioniert.
Eigentlich geht es doch nur darum, das eigene Leben besser zu gestalten.
 
Fra(n)g:
Aber werde ich durch die vielen Tipps nicht erst auf die Idee gebracht, meinen Alltag und die eigene Persönlichkeit pimpen zu müssen?
 
ANTreas:
Wenn die Leute nicht das Gefühl hätten, Ratschläge zu brauchen oder sie verschenken zu wollen, dann gäbe es sie nicht. Die Nachfrage bestimmt das Angebot.
 
Fra(n)g:
Vielleicht bringen die vielen Entspannungs-Ratgeber aber manche Leute erst auf die Idee, gestresst zu sein.
Dann würde das Angebot die Nachfrage verstärken.
 
ANTreas:
Da ist was dran.
 
Fra(n)g:
Warum sind die Leute nicht in der Lage, sich auszudenken, was gut für sie sein könnte?
 
ANTreas:
Man kann ja nicht alles wissen.
Sie haben doch früher auch bei Dr. Sommer nachgeguckt, wie das so geht mit Sex und Liebe.
 
Fra(n)g:
In erster Linie haben mich die Probleme der anderen unterhalten. Außerdem konnte man sich besser fühlen, wenn man sich nicht ganz so dämlich angestellt hat wie die.
 
ANTreas:
Klassischer Voyeurismus.
 
Fra(n)g:
Von mir aus. Aber wenn der befriedigt ist, könnten die Leute doch trotzdem selbst überlegen, wie sie froher werden. Oder wohin sie welche Socke stopfen.
 
ANTreas:
Aber dann hat man sich nicht richtig schlau gemacht.
 
Fra(n)g:
Aber man hätte mal richtig nachgedacht!
Vielleicht sind Ratgeberbücher so angesagt, weil die Leute zu faul sind, sich selbst Gedanken zu machen.
 
ANTreas:
Das klingt radikal.
 
Fra(n)g:
Aber es könnte doch sein, dass es aus der Mode gekommen ist, sich Dinge durch den Kopf gehen zu lassen.
 
ANTreas:
Vielleicht.
Das Handy zu zücken, wenn wir nicht weiterkommen, geht schneller als zu grübeln. 
 
Fra(n)g:
Sourcen wir das Denken out?
 
ANTreas:
Ins Internet?
 
Fra(n)g:
Das hat man immer in der Hosentasche.
 
ANTreas:
Aber Copy-und-Paste kann die eigene Persönlichkeit verbeulen. 
 
Fra(n)g:
Trotzdem gibt es Lust auf Lebensgestaltungsgurus. Die sozialen Medien sind voll von ihnen.
 
ANTreas:
Das zeigt in erster Linie, dass die Leute gerne Guru sein wollen und jede digitale Gelegenheit nutzen, sich als Vorbild, Held oder Idol zu inszenieren.
 
Fra(n)g:
Sie meinen, Marketing, Schamlosigkeit und Selbstüberschätzung befördern den Normalo zum Ratgeber?
 
ANTreas:
In gewisser Weise ist ja jeder, der lebt, Experte fürs Leben. Und viele Leute machen dieses Expertentum zum Beruf.
 
Fra(n)g:
Wenn das so einfach ist, sollten wir es auch versuchen.
Wir könnten Ohne Ratgeber glücklich. Warum selbst nachzudenken hilft schreiben und damit unsere Kasse füllen.
 
ANTreas:
Ein Ratgeber gegen Ratgeber?
Dem haftet ein gewisser Irrsinn an.
 
Fra(n)g:
Aber wir würden den Leuten damit helfen.
 
ANTreas:
Mit dieser Ausrede lässt sich viel Mist rechtfertigen.
Wir würden nichts anderes tun als unsere persönlichen Überlegungen als allgemeingültig herauszuposaunen.
 
Fra(n)g:
Vielleicht wäre das ein bisschen wie ihre Antworten ohne meine Fragen.
 
ANTreas:
Eine Antwort, der die Frage fehlt, ist eine Dummheit!
<zieht sich kopfschüttelnd in seine Hirnhälfte zurück>
 
Fra(n)g:
<ruft ihm hinterher>
Aber ich könnte Ratgeber für sie schreiben.
Die Schlechte-Laune-Falle. 8 Tipps, wie sie ihre Mundwinkel höher tragen.
Oder Diesem Darm fehlt der Charme: Weshalb Klugscheißen stinkt.
Sie würden sich sofort nach der Lektüre besser fühlen.

ANTreas:
<aus dem Off>
Ich habe auch noch eins für sie:
Einfach mal die Klappe halten. Warum schweigen besser ist als Reden.
Das gibt es übrigens schon, das muss man nicht mal mehr schreiben. 
 


05.03.2022

OHNE WITZ


Humor fällt schwer in Zeiten von Bestürzung, Mitgefühl und Angst. 
Man kann einfach nichts mehr nicht ernst nehmen. Anders ausgedrückt: Leichtigkeit, wo bist du hin? 

Wie einfach war es, Corona als die Kacke mit C zu bezeichnen. 

Den Krieg Kacke mit K zu schimpfen, wäre geschmacklos.

 

Trotzdem stellen wir uns Fragen: 

Warum glaubt man eigentlich immer bis zum Schluss, dass es doch noch gutgehen wird? 

Wie kommt jemand auf so einen Scheiß? 

Wohin soll das eigentlich führen? 

 

Antworten gibt es keine. Höchstens Versuche. 

 

Im Alltag, ob im Büro oder im Privaten, hat man sich manchmal exakt dieselben Fragen gestellt. Doch der jeweilige Hintergrund war so viel harmloser, dass sich Vergleiche verbieten. 

 

Einige Humoristen wagen sich hervor, vorsichtig wie Frühblüher. 

„Ich wäre gerne Putin. Dann könnte ich einen Krieg beenden“, versuchte es die sonst so wunderbare Sarah Bosetti dieser Tage. 

„Man hat nur noch die Wahl zwischen geistig zumachen und nix fühlen oder aufmachen und zu viel fühlen“, stellte Aurel Mertz fest, der sonst weit weg ist von Kalendersprüchen. 

 

 Fra(n)g:
Was ist das für eine beschissene Zeit, in der einem noch nicht einmal danach ist, einen blöden Spruch zu reißen?
 
ANTreas:
Es sind Tage und Wochen, in denen der Krieg sich über alles legt, was wir tun und denken. 
 
Fra(n)g:
Kriegen wir ihn gar nicht aus dem Kopf?
 
ANTreas:
Darum geht es nicht. 
Krieg ist zum Maßstab für alles geworden. 
Gedanken und Äußerungen werden daran gemessen. 
 
Fra(n)g:
Habe ich deswegen das Wort Corona-Diktatur schon so lange nicht mehr gehört?
 
ANTreas:
Vermutlich. 
Selbst Deppen und Wortverdreher lernen nun, was ein Diktator ist. 
 
Fra(n)g:
Aber trotzdem werden noch ein paar von ihnen so reden.
 
ANTreas:
Natürlich. Aber man hört ihnen nicht mehr zu. 
Ein anderer Idiot mit seiner Gefolgschaft hat sie übertrumpft. 
Leider hat der ungleich mehr Macht. 
 
Fra(n)g: 
Und er kapert unser Denken und Fühlen.
 
ANTreas:
So kann man es sagen. 
Moderatoren von Nachrichtenmagazinen formulieren sogar so etwas wie Entschuldigungen, wenn ein Thema nicht mit dem Ukraine-Krieg zu tun hat. 
 
Fra(n)g:
Ist das notwendig?
 
ANTreas:
Nein, das ist es nicht. 
Aber es ist ein Bedürfnis. 
Weil nichts wichtig erscheint, angesichts dieses Überfalls mit Elend, mit Gewalt und Zerstörung. 
 
Fra(n)g:
Wann wird sich das wieder ändern?
 
ANTreas:
Ich weiß es nicht.
 
Fra(n)g:
Sie haben keine Antwort?
 
ANTreas:
Dass man es nicht weiß und nicht versteht, ist eine der Erkenntnisse der jetzigen Situation.
 
Fra(n)g:
Wie meinen Sie das?
 
ANTreas:
Krieg ist eine Zeit der Thesen, mit denen man versucht, Vermutungen zu erklären. 
 
Fra(n)g:
Sie wollen sagen, wir suchen nach Gründen für das, was passiert, obwohl wir nicht einmal sicher sein können, was genau das ist. 
 
ANTreas:
Das klingt nicht weniger verschwurbelt als mein Satz, aber es bedeutet ungefähr das Gleiche. 
 
 Fra(n)g:
Ich wollte mit ihnen nicht in einen sprachlichen Battle eintreten. 
 
ANTreas:
Sie wollen auch nicht gewitzt klingen. 
 
Fra(n)g:
Man möchte zurzeit generell nicht glänzen.
 
ANTreas:
Und ich nehme diesen Ball nicht auf, indem ich sage, dass sie sich ohnehin keine Sorgen machen müssen, das zu sehr zu tun.
 
Fra(n)g:
Sie würden damit auch nicht mehr als ein mitleidiges Lächeln ernten. 
 
ANTreas:
Das stimmt. Man würde nicht einmal über mich schimpfen, weil unsere Verfehlungen im Angesicht der Katastrophe zu gering sind. 
 
Fra(n)g:
Wir sind nicht mehr dieselben. 
 
ANTreas:
Was völlig nachrangig ist. 
 
Fra(n)g:
Was sollen wir tun?
 
ANTreas:
Solidarisch sein – mit allen Konsequenzen.
 
<Sie nicken sich zu und verziehen sich in ihre Hirnhälften>


18.02.2022

GUTES TRICKSEN, SCHLECHTES TRICKSEN


 Dieser Text begann ursprünglich mit Betrachtungen über die Russen.
Angesichts des Krieges erschien es mir unangebracht, mich über sie und unser Verhältnis zu ihnen lustig zu machen.
Ich habe den Anfang deswegen gelöscht.

 
Aufhänger für die Unterhaltung von Fra(n)g & ANTreas war der olympische Eiskunstlauf. Das ist der Sport, bei dem Menschen auf Kufen so tun, als litten sie unter pathologischer Emotionalität. 
 
Am besten eislaufen kann derzeit ein Teenager aus Moskau. Sie ist tatarischer Herkunft und dreht die schönste Bielmann-Pirouette aller Zeiten. 
Merken Sie was? Tataren? Pirouetten? Da rappelt es mal so richtig in der Vorurteilskiste. Aber das nur am Rande. 
 
Eigentlich geht es um Doping. 
 
Naheliegend bei olympischen Spielen, der Zeit, in der Waffen und Spritzen schweigen sollten. 
Auch diesmal gibt es wieder Fälle. Man könnte über die Vergehen eines Iraners und einer Ukrainerin berichten, die Verbotenes pinkelten. 
Aber die beiden lagen in ihren Sportarten so weit hinten, dass sie es ohne Beschiss vermutlich nicht einmal bis zur Kreismeisterschaft geschafft hätten. 
Erfolglose Doper sind uns egal. 
 
Erfolgreiche hingegen werden zu DER Sensation, DEM Aufreger, DEM Drama. 
So wie jetzt der russische Teenager, der behauptet, an Opas Herztropfen genuckelt zu haben. 
 
Mal ganz ehrlich: Doping bei Olympia hat den Überraschungswert von Tütensuppen. 
Warum also die Empörung? 
 

Fra(n)g: 
Wieso echauffieren wir uns über gedopte Sportlerinnen und Sportler? 
 
ANTreas: 
Es ist Betrug. Außerdem schaden Menschen ihrer Gesundheit. 
 
Fra(n)g: 
Dann sollten wir uns auch über die Steuererklärung eines einzelnen Rauchers aufregen. 
Oder über den blauen Montag nach einem durchzechten Wochenende. 
Damit kommt aber niemand in den Spiegel und erst recht nicht in die Tagesschau. 
 
ANTreas: 
Das ist ein bisschen Schummeln. 
Zu dopen bedeutet viel schlimmeren Betrug. 
 
Fra(n)g: 
Meinen Sie das ernst? 
 
ANTreas: 
Nein. 
 
Fra(n)g: 
Unlauter zu tricksen ist in unsere Gesellschaft doch generell verpönt, oder? 
 
ANTreas: 
Zitate-Schwindel bei Doktorarbeiten, Instagram-Filter, „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen“ zeugen von Ausnahmen. 
 
Fra(n)g: 
Sie vergessen Spickzettel. 
 
ANTreas: 
Na, die haben doch auch etwas Niedliches. 
 
Fra(n)g: 
Das klingt, als hätten Sie ein beinahe kuscheliges Verhältnis zu Betrügereien, die Ihre eigenen sein könnten. 
 
ANTreas: 
Im Gegensatz zu denen, die von Sportlern kommen, die sich mehr schinden, als ich das jemals tun würden. 
 
Fra(n)g: 
Okay, eine Voraussetzung fürs Aufregen über Doping ist also, dass diese Art von Betrug weit weg von der durchschnittlichen Bierwampe ist, so dass man sicher sein kann, niemals selbst in Versuchung zu geraten.  
 
ANTreas: 
Eine zweite Bedingung, damit wir uns echauffieren können, ist, dass die verbotene Substanz ans Tageslicht kommen muss. Nachweislich. 
 
Fra(n)g: 
Wie meinen Sie das? 
 
ANTreas: 
 Von neuen Weltrekorden und der weiteren Verschiebung menschlicher Leistungsfähigkeit nach oben sind wir begeistert. 
Erst einmal verbitten wir uns jeglichen Verdacht, damit wir ungetrübt bewundern können. 
 
Fra(n)g: 
Vermutlich wollen Sie damit sagen, dass unsere Begeisterung auf einer absichtlichen Naivität beruht. 
Das stimmt.  
Wir wollen glauben, dass es für uns keine Grenzen gibt. 
 
ANTreas: 
Und falls jemand entdeckt wird, dann sind das Verwerflichste die blöden Ausreden. 
 
Fra(n)g: 
Zumindest bei den Guten. Die tun es ja eigentlich für Geld und Ehre, versuchen es aber nach einem Versehen aussehen zu lassen. 
 
ANTreas: 
Im Gegensatz zu den Russen. Da neigt man zu der Annahme, sie tun es für den Staat. Oder noch schlimmer, für Putin. 
 
Fra(n)g: 
Als ob rollende Rubel kein Geld wären. 
 
ANTreas: 
Zurück zu den blöden Ausreden. 
 
Fra(n)g: 
Beim Dopen betrügt mich ja niemand persönlich. Aber bei den Erklärungen, da fühle ich mich zuhause auf dem Sofa mal kurz veräppelt. 
 
ANTreas: 
„Mal kurz“ ist der Knackpunkt.  
Dass das Steroid in der Sonnencreme war, klang vor gut drei Jahren noch völlig dusselig. 
Dass dieselbe Frau Johaug nun in Peking zwei Goldmedaillen gewonnen hat, lässt sie im sportlichen Glanz erstrahlen. 
 
 Fra(n)g: 
Die Sonnencreme hatte ich mir gemerkt. Aber dass das Frau Johaug war, wer soll das heute noch wissen. 
Auf den Hitlisten der doofen Ausreden ist übrigens “Ich musste für ein Buch über Doping recherchieren“ sehr weit oben. 
Das war ein Radfahrer. Man fragt sich, ob er versucht hat, die Dopingmittel von der Steuer abzusetzen. 
 
ANTreas: 
Oder „Mamas Medikament ist ihr beim Kochen in den Topf gefallen.“ 
Eine italienische Tennisspielerin hat da vergessen, rechtzeitig zuhause auszuziehen. 
 
Fra(n)g: 
Hohe Testosteronwerte eines Sprinters wegen angeblicher vierfacher Begattung der Gattin in der Nacht vor dem Test haben mir auch gut gefallen. 
 
ANTreas: 
Wir halten fest, von den meisten Dopingfällen bleibt die Ausrede, die zum Party-Smalltalk avanciert ist. 
Über den Fall an sich regen wir uns kurz künstlich auf, dann vergessen wir ihn schnell wieder.  
 
Fra(n)g: 
Wir lieben halt Leistung. 
 
ANTreas: 
Genau. Und eine Menge Studenten lieben Ritalin. 
 
Fra(n)g: 
Vielleicht ist die offensiv vorgetragene Empörung bei der Beurteilung von Doping eher so etwas wie Eigen-PR. 
 
ANTreas: 
Sie meinen, dass wir uns hauptsächlich über dopende Sportler aufregen, weil das uns selbst moralisch gefestigt erscheinen lässt? Seht her, mein Kompass ist in Ordnung? 
 
Fra(n)g: 
Könnte doch sein. 
In Wahrheit machen wir uns eher darüber lustig, dass der- oder diejenige sich hat erwischen lassen. 
 
ANTreas: 
Da ist was dran. 
Resultate von Photoshop und Instagram-Filtern und andere optimierte Selbstdarstellung akzeptieren wir ja auch, solang uns keiner mit der Nase darauf stößt.   
 
Fra(n)g: 
Nicht nur Optimierungen, auch größere Betrügereien. 
Die alltägliche Steuerhinterziehung zum Beispiel. Auch über Doping im Fitnessstudio machen wir uns keine Gedanken, solang die Fitness-Junkies gesund und kräftig aussehen.  
 
ANTreas: 
Eine Fachzeitschrift für Trainer mit dem schönen Namen LeistungsLust schätzt übrigens, dass hierzulande vierhundertausend Freizeitsportler mit Anabolika oder Medikamenten nachhelfen. 
 
Fra(n)g: 
Wie gesagt, wenn es schön macht, grübeln die wenigsten über den Ursprung der Muckis. 
 
ANTreas: 
Übrigens residiert die LeistungsLust in der Lazarettstraße. 
 
Fra(n)g: 
Aus der Abteilung „Witze, die man nicht erfinden sollte“. 
 
ANTreas: 
Ich sage ihnen, wenn es nicht um russische Olympioniken geht, ist das Image von Doping gar nicht so schlecht. Man gibt halt alles und sogar noch ein bisschen mehr! 
Außerdem macht eine kleine Prise kriminelle Energie auch ein bisschen sexy. 
 
Fra(n)g: 
So bescheuert das klingt, es könnte etwas dran sein. 
Ein Shampoo wirbt doch auch schon seit ewigen Zeiten damit, wie Doping für die Haare zu wirken. Scheint zu funktionieren, sonst hätten sie sich längst einen anderen Claim ausgedacht. 
 
ANTreas: 
Die Firma sponsert übrigens auch ein Profi-Radteam. 
 
Fra(n)g: 
Ich würde sagen, dass ist ebenfalls ein Witz, den man nicht erfinden sollte. 


 

01.02.2022

DER WILLE WAR DA(TENSCHUTZ)


 Selbstverständlich kenne ich diese Geschichte nur von einem Freund, der sein leider positives Testergebnis wiederum leider ohne QR-Code erhalten hat, es aber trotzdem in die Warn-App eintragen wollte.  
 
Dazu soll man eine Telefonnummer wählen. 
Warteschleife. 
Irgendwann sagt jemand artig Guten Tag, um dann Maschinengewehrsalven an Datenbestimmungen herunterzurattern. 
Zunächst denkt man, es handele sich um einen Fehler, weil eine Stimme beim Geschwindigkeitsvorlesen anders klingt als beim Guten-Tag-Sagen. 
Dann überlegt man, ob die Sprachattacke vom Band kommt. 
Am Ende will man nur noch wissen, ob das nie endet. 
 
Wie bereits erwähnt, ich kenne die Geschichte nur von einem Freund. Aber bei mir war das schon bei Dieter-Thomas Heck am Ende der Hitparade so. 
 
Irgendwann holt der Mensch am anderen Ende der Leitung Luft. Zum Glück.  
Automatisch spitzt man die Ohren und versteht, dass man auflegen soll, damit er einen zurückrufen kann. „Hä?“, denkt man und folgt dem Geheiß. 
Es vibriert und man notiert mit Kugelschreiber einen elend langen Mix aus Zahlen und Buchstaben, die „der Einfachheit halber“ alle groß oder alle klein sind, das wusste besagter Freund nicht mehr so genau, weil er bis dahin schon fast ins Datenkoma gefallen war.  



Fra(n)g:
Ob das mit dem Datenschutz manchmal ein bisschen übertrieben wird? 
 
ANTreas:
Sie wollen doch auch nicht, dass andere zu viel über sie wissen - 
Geheimdienste, Arbeitgeber, Behörden, Erpresser und solche Leute. 
Geheimnisse sind nur für gute Freunde. 
Das Internet hingegen ist eine Litfaßsäule.
 
Fra(n)g:
Vielen Dank für die Predigt. 
Aber wenn ein guter Freund ein Geheimnis übers Internet erfahren möchte?
 
ANTreas:
Was denn für ein Geheimnis übers Internet?
 
Fra(n)g:
Zum Beispiel Nacktfotos.
 
ANTreas:
Dann ist es kein guter Freund.
 
Fra(n)g:
Okay, dann sagen wir ein potenziellX LiebhabX (m/w/d). 
Wollen Sie sich von diesen Personen kein Bild verschaffen, bevor sie sich mit ihnen ausziehen?
 
ANTreas:
Nein. 
 
Fra(n)g:
Ach, sie sind wieder so unmodern! 
 
ANTreas:
<stolz und selbstsicher>
Was ich nackig mache, ist nicht unmodern, sondern geht niemanden etwas an.
 
Fra(n)g:
Also brauchen wir mehr Datenschutz?
 
ANTreas:
In puncto Nacktfotos brauchen wir vor allem mehr Grips. 
Wenn ich meine Geschlechtsteile an die Wohnzimmerwand hänge, muss ich damit rechnen, dass Haushaltshilfen, Eltern auf Besuch und auch Heizungsableser sie sehen.
 
Fra(n)g:
Sicher sind Aktfotos von sich selbst an Zimmerwänden deswegen nicht so verbreitet. 
Wer will schon die Bilder abhängen, wenn es klingelt. 
 
ANTreas:
Oder jeden Besucher an der Tür abwimmeln. 
Der Datenschutz regelt übrigens, dass wir genau das können. 
Wir müssen zustimmen, wenn jemand ein Geheimnis von uns weitererzählt. 
 
 Fra(n)g:
Würde ich nie gestatten. 
Kontostand, Sex, mein Milchreis-Rezept: alles geheim! 
 
ANTreas:
Verständlich. 
Beim Datenschutz ist natürlich mehr top-secret. 
Die Stadt, in der wir wohnen, zum Beispiel. 
 
Fra(n)g:
Die darf niemand wissen?
 
ANTreas:
Nur der, dem ich sie verrate. 
Und es geht auch nicht nur ums Weitersagen. Man darf sie auch nicht behalten.  
So was muss auch genehmigt werden. Explizit. 
 
 Fra(n)g:
<erschrickt>
Ach du liebe Güte!
 
ANTreas:
Was ist los? 
 
Fra(n)g:
Ich merke mir manchmal, wo Leute wohnen. 
Das ist ja dann illegal!
 
ANTreas:
Merken ist okay. Da zählt der Gesetzgeber auf die Beschränkungen des menschlichen Hirns. 
<Pause>
Im Fall des ihrigen mit Recht!
<lacht über seinen Witz>  
Aber Speichern ist schwierig. 
 
Fra(n)g:
Ausgelacht?
Nach dieser Logik sind Geheimnisse im Analogen nur etwas für Vergessliche mit niedrigem IQ.
 
ANTreas:
Oder für Goldfische. 
<fängt wieder an zu lachen>
Oder für sie. 
 
Fra(n)g:
An ihnen erkennt man, wozu man Datenschutz braucht. 
Nur, weil ich mir vor sieben Jahren ihre Handynummer nicht merken konnte, werde ich zeitlebens mit einem Goldfisch verglichen. 
<gibt sich einen Ruck>
Sie können sich aber sicher sein, dass ich ihre Nacktfotos nie vergessen werde.
 
ANTreas:
Meine Nacktfotos? 
<kleinlaut>
Woher haben sie die? 
 
Fra(n)g:
Das darf ich aus Datenschutzgründen nicht sagen. 
 
ANTreas:
Es war eine Jugendsünde. Das Internet vergisst nie.
 
Fra(n)g:
In ihrer Jugend gab es gerade mal Taschenrechner .  
 
ANTreas:
<amtlicher Ton>
Datenschutz gewährleistet, dass solche Sachen nicht passieren. 
Oder dass es zumindest verboten ist, dass sie passieren.  
 
Fra(n)g:
Aber ist es nicht merkwürdig, dass Wohnort, Kontostand und Nacktfotos eine mehr oder weniger gleichgeschützte Sauce sind?
 
ANTreas:
Ja, die meisten Leute verkünden ihre E-Mail-Adresse mit weniger Bedenken als Misserfolge bei der Fußpilz-Behandlung. 
Für den Datenschutz wiegt das aber alles gleich. 
 
 Fra(n)g:
Deswegen die Litanei bei der Corona-Hotline?
 
ANTreas:
Deswegen auch die Cookie-Textorgien bei Websites. 
 
Fra(n)g:
Oder die Zustimmungshäkchen beim Bestellen?
 
ANTreas:
Auch die.
 
 Fra(n)g:
Aber schützen Wortschwalle, Haken und Kreuze Daten?
 
ANTreas:
Sie sorgen dafür, dass dem Datenschutz genüge getan wird. 
 
Fra(n)g:
… und nerven den Geschützten.
 
ANTreas:
Sicher nicht jeden. Aber viele. 
 
 Fra(n)g:
Und der Ausweg?
 
ANTreas:
Einer wäre, sich ein bisschen locker zu machen. 
So wie die Schweden. 
 
 Fra(n)g:
Schützt der Schwede sich schlecht?
 
ANTreas:
Zumindest können behördliche Daten eingesehen werden. Von jedem. Auch die Steuererklärung. 
 
Fra(n)g:
Ach du liebe Güte!
 
ANTreas:
Nix Ach du liebe Güte! 
Schweden steht noch. 
 
 Fra(n)g:
Und Ausweg zwei?
 
ANTreas:
Gesammelte Informationen einer eindeutigen Person zuzuordnen wird verboten.  
 
Fra(n)g:
Ist das nicht das Geschäftsmodell von Facebook, Google und Co? 
Für personenbezogene Werbung?
 
ANTreas:
Dann hat Reklame halt wieder mehr Streuverlust. So what?
 
Fra(n)g:
Warum macht man das nicht einfach?
 
ANTreas:
Weil sich so, wie es ist, keiner beschweren kann. 
Die, die Schutz wollen, haben ihn. 
Wer Geschäfte machen will, kann das trotzdem tun. 
 
Fra(n)g:
Man könnte auch sagen, Hater können anonym attackieren und Verbrecher sich tarnen. 
Dafür müssen Leute nie gelesene Texte unterschreiben, und telefonieren, um eine Warn-App zu bedienen.  
 
ANTreas:
Gut gemeint nennt man das dann wohl.
 
 Fra(n)g:
Oder: Der Wille war da.
 
ANTreas:
Das sagen Trainer nach dem Null-zu-Fünf-Debakel.
 
Fra(n)g:
Eben.


 

12.01.2022

DAUERND NEUE REGELN


 Neues Jahr, neue Regeln: 
 
Zum Beispiel müssen Wohnungsbesitzer, wenn fernablesbar gemessen wird, ihren Mietern jetzt monatlich mitteilen, wieviel Heizkosten aufgelaufen sind. 
 
An der Ladenkasse gibt es keine Plastiktüten mehr.
 
Eine Stunde Arbeit kostet ab sofort mindestens 9,82 Euro.
 
Auf einen Brief muss eine 85-Cent-Marke.
 
Wer als kleiner Hahn auf die Welt schlüpft, darf nicht mehr sofort getötet werden. 
 

Fra(n)g:
Warum brauchen wir eigentlich so viele Regeln?
 
ANTreas:
Die Welt dreht sich weiter. Die Dinge müssen den wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen angepasst werden. 
 
Fra(n)g:
Diese Aneinanderreihung schlecht klingender Wörter sehe ich größtenteils ein. 
Aber was ist bei den Hähnen schiefgelaufen?
 
ANTreas:
Die Gesellschaft achtet mehr auf Tierwohl.
 
Fra(n)g:
Waren wir bis Silvester Barbaren?
 
ANTreas:
Zumindest waren Menschen der Grund für die neue Regel. 
 
Fra(n)g:
Sind die so schlimm?
 
ANTreas:
Sie neigen zu schlimmen Spezialgebieten. 
Die einen bekämpfen die Diktatur in einer Demokratie, andere hinterziehen Steuern und wieder andere killen die Küken, die sie vorher ausbrüten ließen, nur weil sie Hähne werden würden. 
 
Fra(n)g:
Haben Hähne eigentlich Penisse?
 
ANTreas:
Nein. Bei den meisten Vögeln gibt es nur die berühmte Kloake.
<schüttelt sich>
Ein schreckliches Wort.
 
Fra(n)g:
Ich wollte keinen Biologieunterricht für Anfänger. 
 
ANTreas:
Sie haben gefragt.
 
Fra(n)g:
Manche Fragen stellt man nicht für die Antwort.
 
ANTreas:
Das habe ich missverstanden. 
Da sehen Sie, was passiert, wenn man sich nicht an Regeln hält.  
 
Fra(n)g:
Solange es nur ein Missverständnis ist… 
Regelmissachter könnten auch Leute anstecken. 
 
ANTreas:
Und schon wieder sind wir bei der Kacke mit C. 
 
Fra(n)g:
Passend zur Kloake.
 
ANTreas:
Die schreibt man mit K. 
 
Fra(n)g:
Können wir bitte zum Thema zurückkommen. 
Warum braucht man ein Gesetz, das besagt, dass man keine Küken umbringt? Das sollte doch selbstverständlich sein. 
 
ANTreas:
Erstens: Wirtschaftliche Interessen.
Zweitens: Was erlaubt ist, wird gemacht. 
 
Fra(n)g:
Ehrlich?
Muss man alles tun, was nicht verboten ist?
 
ANTreas:
Man muss nicht, aber so läuft es. 
 
Fra(n)g:
Ohne Konsequenzen?
 
ANTreas:
Zumindest ohne juristische. 
 
Fra(n)g:
Auch ohne moralische?
 
ANTreas:
Moral ist ein Wertekatalog. 
Sie erinnern sich doch an früher den von Quelle. In so etwas kann man stöbern, man muss aber nicht alles wollen. 
 
Fra(n)g:
Ich sehe ein, das ist freiwillig. 
Wie wäre es mit dem kategorischen Imperativ? Der klingt nach mehr Druck.
 
ANTreas:
Der besagt, dass der vernünftige Mensch die männlichen Küken nicht killt, weil er einsieht, dass, wenn das alle machen, zukünftigen Hühnern die Väter fehlen werden. 
Und dann wäre es vorbei mit dem Frühstücksei, mit der Hühnersuppe, mit Gegacker und Kikeriki. 
 
Fra(n)g:
Das heißt, mit Kant wäre die Kükenschredderei nicht passiert?
 
ANTreas:
Nun ja, selbst Kant wusste, dass die Leute nicht nur vernünftig sind. 
 
Fra(n)g:
Zum Glück. Sonst gäbe es keinen Karneval. 
 
ANTreas:
Und keine Corona-Zweifler.
 
Fra(n)g:
Auch keine Wetten, dass…-Wetten.
 
ANTreas:
Und anderen Blödsinn.
 
Fra(n)g:
Kann es sein, dass keine Regeln das Leben bunter machen?
 
ANTreas:
Nicht für männliche Küken. 
 
Fra(n)g:
Das ist ein extremes Beispiel.
 
ANTreas:
Auch nicht für Intensivpflegerinnen und -pfleger. 
 
Fra(n)g:
Okay, ich verstehe. Vielleicht plädiere ich dafür, hin und wieder etwas lockerer mit Regeln umzugehen.
 
ANTreas:
Ich vermute, sie meinen bestimmte Regeln.
 
Fra(n)g:
Na klar. 
 
ANTreas:
Welche?
 
Fra(n)g:
Die, die nicht so wichtig sind.
 
ANTreas:
Sie meinen die, die sie nicht so wichtig finden. 
 
Fra(n)g:
Ist das nicht dasselbe?
 
ANTreas:
<schmunzelt>
Leider nicht. 
Aber besser hätte auch ich die Schwierigkeit mit den Regeln nicht auf den Punkt bringen können. 
 
Fra(n)g:
<zieht sich sichtlich stolz in seine Hirnhälfte zurück>
 
ANTreas:
<ruft ihm hinterher>
Das war kein Kompliment, mein Lieber, kein Kompliment.


 

29.12.2021

Jahresanfangsfolklore


Heute wurde ich gefragt, was ich mir fürs neue Jahr vornehme.
 
Normalerweise halte ich die Weltenrettung für einen angemessenen Plan. 
Das klingt besser als drei Kilo ab- oder zunehmen, die Freunde öfter treffen oder sich weniger über andere Leute zu ärgern, und hat die gleichen Chancen auf Erfolg. 
 
Diesmal kam ich aber, bevor ich antworten konnte, ins Grübeln. 
Vielleicht wegen Spaziergängern mit Fackeln und ihrer Massenmedien-DieDaOben-Unterdrückungserzählungen. 
 
Die gehen mir so auf die Nerven, dass ich schon mal über Gegenmaßnahmen phantasiere. 
Den Leuten öfter einen Vogel zu zeigen, wäre ein Beispiel. Nur eins. Ich hätte noch andere...


Fra(n)g: 
<angespannt> 
Müssen Vorsätze eigentlich immer gut sein oder kann man auch mal...? 
 
ANTreas: 
<fällt ihm ins Wort, bevor er sich um Kopf und Kragen redet>
Der Vorsatz ist eigentlich eine juristische Dimension und in den meisten Fällen wesentlich für die richterliche Entscheidung, ob man verknackt wird. 
 
Fra(n)g: 
Das klingt nicht nach persönlicher Optimierung. 
 
ANTreas: 
Man handelt vorsätzlich, wenn man das, was man anstellt, wirklich tun will und auch noch weiß, was man damit anrichten kann.  
 
Fra(n)g: 
Das gilt fürs Klauen wie fürs Joggen? 
 
ANTreas: 
Richtig. 
 
Fra(n)g: 
Also wollten sie nur etwas verquast und kompliziert sagen, dass ein Vorsatz nicht immer gut sein muss. 
 
ANTreas: 
Das haben sie gut erkannt. 
Zwingend gut ist er nur bei der Folklore zum Jahreswechsel. 
 
Fra(n)g: 
Aber ist das Wort gut nicht auch bei dieser Gelegenheit relativ? 
 
ANTreas: 
Klar. Der schwere Mann will ab-, der leichte zunehmen. 
Gut steht in diesem Fall für von einem selbst erwünscht. 
 
Fra(n)g: 
Nehmen wir mal an, ich wünsche mir, mehr Sport zu machen. 
Bleibt das ein guter Vorsatz, auch wenn ich mir am dritten Januar ein Bein dabei breche? 
 
ANTreas: 
Der Vorsatz war ja nicht der Beinbruch. 
 
Fra(n)g: 
Nein, aber der Beinbruch war eine Folge des guten Vorsatzes. 
Mache ich mich da nicht strafbar gegen mich selbst? 
 
ANTreas: 
Sie könnten sich vornehmen, im neuen Jahr weniger dusselige Gedankengänge zuzulassen. 
 
Fra(n)g: 
Ich gebe zu, ich wollte sie verwirren. 
Aber die Frage bleibt: Wenn ich mögliche negative Konsequenzen nicht einkalkuliere, sind gute Vorsätze dann vielleicht völlig naiv? 
 
ANTreas: 
Nur, weil man Unfälle, wie Verhungern durch Abnehmen oder Genickbruch durch mehr Sport, nicht einbezieht, würde ich nicht gleich von naiv sprechen. 
Aber wir halten unsere guten Vorsätze oft sehr allgemein. 
 
Fra(n)g: 
Dabei sagt einem jede Management- oder Glücks-Bibel, dass das nichts wird. 
 
ANTreas: 
Seit wann lesen sie so was? 
 
Fra(n)g: 
Ich lese die Werbetexte. Danach bin ich ausreichend Ratgeber-gebildet. 
 
ANTreas: 
Dann wissen sie sicherlich genau, welche Kriterien an einen guten Vorsatz anzulegen sind. 
 
Fra(n)g: 
Er sollte ein konkretes Ziel verfolgen. 
Also: „Ich lasse mich nächste Woche impfen“ statt „Irgendwann mache ich mal was gegen Corona“. 
 
ANTreas: 
Womit wir wieder bei unserem Lieblingsthema wären. 
Wir hatten uns doch vorgenommen, nicht ständig über die Kacke mit C zu sprechen. 
 
Fra(n)g: 
Das war nur als Beispiel gemeint. 
 
ANTreas: 
Aber man sieht an ihrem Rückfall, wie schwierig es ist, gute Vorsätze einzuhalten. 
 
Fra(n)k: 
Bei der Kacke mit C waren wir uns aber von vornherein nicht einig, ob man mehr oder weniger darüber sprechen muss. 
Nur, dass das, was gerade gemacht wird, anscheinend nicht die richtige Dosis ist. 
 
ANTreas: 
Dann sind die guten Vorsätze der Beweis dafür, dass wir, dass sie und ich in anderer Leute Köpfen Brüder und Schwestern haben. 
 
Fra(n)g: 
Hä? 
Ich kann ihnen nicht folgen. 
 
ANTreas: 
Anscheinend haben viele Menschen zwei Hirnwindungen, die gerne diskutieren. 
Die eine sagt, mehr Sport. Die andere will mehr fernsehen. 
Und schon haben wir den Salat. 
 
Fra(n)g: 
Salat wäre vielleicht schon mal ein guter Anfang. 
 
ANTreas: 
Ich sprach von einer Misere, nicht von Ernährung. 
 
Fra(n)g: 
Ich weiß. 
Aber ich wollte sie missverstehen. 
 
ANTreas: 
Das wäre ebenfalls ein guter Vorsatz für sie: 
Mir nicht immer die Wörter im Munde herumdrehen. 
 
Fra(n)g: 
Aber dann hätten wir weniger Spaß. 
 
ANTreas: 
Gute Vorsätze sollen doch keinen Spaß machen. 
 
Fra(n)g: 
Ist das so? 
 
ANTreas: 
Was mir Spaß macht, tue ich doch ohnehin. 
 
Fra(n)g: 
Aber ein bisschen Sport kann Spaß machen. 
Weniger zu essen, muss nicht langweilig sein. 
Mehr Zeit für Freunde aufzuwenden, ist wahrscheinlich sehr vergnüglich. 
 
ANTreas: 
Da muss ich ihnen recht geben. 
Anscheinend geht es eher um Gewohnheiten, die aufzubrechen sind. 
 
Fra(n)g: 
In dem Bereich ist der Mensch ja sehr schwierig. 
Das, was er schon lange so macht, will er immer weiter tun. 
Sich seit einem Jahr nicht impfen zu lassen zum Beispiel. 
 
ANTreas: 
Schon wieder dieses Thema! 
 
Fra(n)g: 
Ich finde wirklich, den Leuten würde ein entsprechender guter Vorsatz gleich für Anfang Januar sehr guttun. 
Und uns allen auch. 
 
ANTreas: 
Das wäre eine neue Kategorie: Der gute Vorsatz für unsere Mitmenschen. 
 
Fra(n)g: 
Sie meinen, man verschenkt gute Vorsätze? 
 
ANTreas: 
Genau. Und dann hilft man dem anderen, das Ganze hinzukriegen. 
Der Halbmarathon, den man im Herbst schaffen will, würde dann zum Team-Event. 
 
Fra(n)g: 
Das klingt gut. 
Aber wer trifft sich schon, um gemeinsam weniger zu essen? 
Oder zum Nichtrauchen? 
 
ANTreas: 
Stimmt. Das wird schwierig. 
 
Fra(n)g: 
Gute Vorsätze bleiben etwas Einsames. 
 
ANTreas: 
Das kommt drauf an. 
Im Fitnessstudio ist es im Januar immer brechend voll. 
 
Fra(n)g: 
Das nervt die, die immer gehen. 
Aber ich frage mich, ob nicht ein bisschen Bewegung im Januar besser ist als gar keine. 
 
ANTreas: 
Das könnte man so sehen. 
 
Fra(n)g: 
Vielleicht sollte man gute Vorsätze ganz generell eher als Schnupperkurs betrachten. 
 
ANTreas: 
Man probiert mal etwas Neues aus. 
Aber ändert nicht gleich sein ganzes Leben. 
 
Fra(n)g: 
Das wäre zumindest menschlicher. 
Und würde aufhören, eine Idee zur lebensverändernden Maßnahme zu stilisieren. 
 
ANTreas: 
Ich könnte mal probieren, einen Tag nicht klugzuscheißen. 
 
Fra(n)g: 
Und ich ein Töpferwochenende buchen. 
 
ANTreas: 
Sie sind eine Hirnwindung. 
Sie können nur denken, nicht basteln. 
 
Fra(n)g: 
Eben drum. 
 
ANTreas: 
Dann probieren Herr Esomann und Frau Quergedacht mal das Impfen. 
 
Fra(n)g: 
Genau. Einfach mal was Neues wagen. 
 
ANTreas: 
Das Neujahrs-Neue. 
 
Fra(n)g: 
Die leichte Alternative... 
 
ANTreas: 
…zum schwerwiegenden guten Vorsatz. 
 
Fra(n)g: 
Weitersagen! 



15.12.2021

SCHENKER GEGEN GESCHENKGEGNER

 
 Glöckchen, Türchen, Engelchen: Die Vorweihnachtszeit neigt zum Diminutiv. Alles soll klein, niedlich und heimelig sein. 
 
Von Geschenkchen spricht allerdings niemand. Oder vom Geschenklein. 
Ein ausgewachsenes Geschenk soll es sein. 
Punkt. 
Niedlich wird es durch die Verpackung. 
 
Der Diminutiv von Geschenk lautet Kleinigkeit. 
Diesen Begriff verwenden allerdings nur die Schenkenden. Sie wollen einem damit vormachen, man müsse nicht würdigen, dass sie sich sieben Stunden das Hirn zermartert haben, um genau auf dieses Präsent zu kommen. 
Kleinigkeit ist präsentgewordenes Komplimentefischen der Hochleistungsschenker. 

Sollte ein Empfänger irgendwann „Danke für die Kleinigkeit“ sagen, kann man sicher sein, er möchte den Abend direkt nach der Geschenkübergabe beenden. 
 
Schenken ist so umstritten wie traditionell und man kann froh sein, dass wegen der Debatte, ob es nun etwas geben soll oder nicht zumindest keine Straßenschlachten entstehen. Das Bundeskriminalamt warnt auch nicht vor terroristischen Umtrieben der Schenkverweigerer. 
 
Aber für Ehekrisen, Freundschaftbeenden, Partnertausch und Tränen reicht es allemal. 

 
Fra(n)g:
Warum streiten wir übers Schenken?
 
ANTreas:
Weil der eine etwas schenken will und der andere nicht. 
Und weil der Beschenkte das Gefühl hat, zurückschenken zu müssen.
 
Fra(n)g:
Vielleicht schenken manche auch nur, um etwas geschenkt zu bekommen.  
 
ANTreas:
Oder in vorauseilendem Gehorsam, weil sie glauben, dass sie beschenkt werden werden. 
 
Fra(n)g:
Ich bin schon nach fünf Sätzen verwirrt. Nicht nur grammatikalisch. 
Das dauert normalerweise länger. 
 
ANTreas:
Ich wollte nur andeuten, dass das Bedrohliche am Schenken nicht das Präsent ist, sondern der Subtext, der mitüberreicht wird.
 
Fra(n)g:
Es geht bei den Diskussionen ums Schenken also um den Prozess, nicht um die Gabe?
 
ANTreas:
Wegen der kriegt man sich eher selten in die Haare. 
 
Fra(n)g:
Selbst, wenn sie blöd ist?
 
ANTreas:
Auch dann nicht. 
Meistens verrät man ja nicht, dass es einem nicht gefällt. 
Und wenn man es doch tut, redet man wohl eher über den Schenker.
 
Fra(n)g:
Ist Schenken dann nicht ein Aufruf zur Unaufrichtigkeit?
 
ANTreas:
Es ist in erster Linie eine Tradition.
 
Fra(n)g:
So etwas wie ein großer Zapfenstreich zum Abschied der Bundeskanzlerin?
 
ANTreas:
So etwas in der Richtung. 
Das war ja auch ein Geschenk von der Bundeswehr an Frau Merkel. Statt eines Präsentkorbs. Oder eines kaputten Panzers. 
 
Fra(n)g:
Also so ein Zapfenstreich würde mir auch gefallen. 
 
ANTreas:
Kriegen sie aber nicht.
 
Fra(n)g:
Ist das nicht ein Problem, dass man meistens nicht bekommt, was man wirklich will?
 
ANTreas:
Schenken ist doch keine Bestellung bei Amazon: Ich will das – Klick - Ding-Dong - Hier ist es. 
Das funktioniert Ding-Dong - Hier ist es - Ich wusste gar nicht, dass ich das wollte. 
 
Fra(n)g:
Die könnte man auch schlicht und ergreifend Stress für den Lieferanten nennen. 
Sie finden es doch sicher auch anstrengend und schwierig, Geschenke zu machen.
 
ANTreas:
Ja. Aber das ist doch unter anderem der Sinn des Ganzen.
 
Fra(n)g:
Sich Stress aufzubürden?
 
ANTreas:
Nun ja, eher, sich etwas für den anderen zu überlegen. 
 
Fra(n)g:
Aber der Druck…
 
ANTreas:
Meine Güte, es geht nur um ein Geschenk. 
 
Fra(n)g:
Aber es soll etwas Besonderes sein. Den Beschenkten zeigen, wie kreativ ich an sie gedacht habe. Die sollen sich doch mindestens Löcher in die Bäuche freuen.
 
ANTreas:
Ich wiederhole: Meine Güte, es geht nur um ein Geschenk.
 
Fra(n)g:
Sie meinen, ich übertreibe?
    
ANTreas:
Ihr Anspruch ist zu hoch. 
 
Fra(n)g:
Kann es sein, dass ich andere zu glücklich machen will?
<kriegt einen christkindhaften Glanz in den Augen>
 
ANTreas:
<schielt>
Das glauben sie ja wohl selbst nicht!
Sie wollen sich selbst glücklich machen. 
Aber es gibt keinen Wettbewerb für den originellsten Schenker der Stadt.  
 
Fra(n)g:
Aber Schlips, Unterhose, Socken soll es ja wohl auch nicht sein.
 
ANTreas:
Krawatten nur für Schlipsträger. Unterhosen sind weiterverbreitet, die gehen bei fast jedem. 
 
Fra(n)g:
Aber man schenkt sie nur, wenn man sich zum Vollhorst machen will.
 
ANTreas:
Wissen Sie, dass das Wort Schenken von Einschenken kommt? 
Ursprünglich ging es also nur um ein Schluck Wasser, vielleicht Met.
 
Fra(n)g:
Amen. 
Das ist lange her.
Heute geht es um kommerzielle Geschenktermine wie Weihnachten und Geburtstage.
 
ANTreas:
Schenken sie denn außer der Reihe?
 
Fra(n)g:
Eigentlich schon. 
<denkt nach>
Aber dann vergesse ich es immer wieder. 
 
ANTreas:
Dann seien sie doch froh über die Termine. 
Kleine Reminder, dass sie dem ein oder anderen ohnehin etwas schenken wollten.
 
Fra(n)g:
So habe ich es noch nie gesehen.
Ich könnte ja zu Weihnachten auch ein Geschenk im Sommer verschenken. 
Ein Julipräsent tbd sozusagen. 
 
ANTreas:
Tolle Idee für Weihnachtsgeschenkmuffel. 
Sie sollten sich das dann aber in den Kalender eintragen. Ich als Beschenkter würde es mir nämlich auf alle Fälle aufschreiben.
 
Fra(n)g:
Wie kommen sie darauf, dass sie der Beschenkte sind?
 
ANTreas:
Vielleicht nicht der. Aber ein Beschenkter bestimmt. 
Weil sie sich freuen, wenn ich mich freue. 
 
Fra(n)g:
Sie meinen, beim Schenken muss auch der Beschenkte mitspielen? 
 
ANTreas:
Natürlich. Schenken ist Kommunikation. 
 
Fra(n)g:
Ist dann die Entscheidung, sich nichts zu schenken, eine besondere Form der Funkstille? Schweigsamer Haushalt, obwohl geredet wird?
 
ANTreas:
Man lässt sich damit zumindest eine Möglichkeit entgehen, aus einem außergewöhnlichen Anlass etwas Besonderes zu machen.
 
Fra(n)g:
Das klingt fast ein bisschen schade. 
 
ANTreas:
Sie haben vorhin von Stress und Druck geredet. Nicht ich. 
Fröhliche Weihnachten übrigens.
<überreicht eine Schachtel mit roter Schleife>
 
Fra(n)g:
Oh nein. Wie konnten sie nur? Wir wollten doch nicht.
Jetzt stehe ich da wie ein Depp. 
Ich habe natürlich nichts. 

 

ANTreas:
<lacht> 
Sie sind ja auch für die Fragen zuständig. 
Ohne sie gäbe es den Inhalt der Schachtel gar nicht. 
 
Fra(n)g:
<schüttelt die Box>. 
Ist da gar nichts drin?
 
ANTreas:
Nur ein paar Gedanken. Auf Vorrat fürs nächste Jahr.
 
Fra(n)g:
<tut so, als schüttele er etwas aus dem Ärmel in die Box, 
und gibt sie dann mit großer Geste zurück>
Hier von mir für sie schon mal ein paar Fragen. 
Und ebenfalls schöne Weihnachten. 
 
<beide ziehen sich dankbar lächelnd in ihre jeweilige Hirnhälfte zurück>