AfA

Je älter man wird, desto häufiger spricht man vom Aufhören. Darüber, ab wann man nicht mehr arbeiten wird. Oder dass man das Fußballspielen sein lassen und lieber zur Gymnastik gehen muss oder getrennte Betten kriegt, weil man mit dem Sex eh schon längst, na ja, Sie wissen schon…  
 
Ganz ehrlich, wirklich fröhlich sind diese Unterhaltungen nicht. 
 
Man weiß jetzt schon, dass man vermissen wird, was man unterlässt. Zumindest gelegentlich. 
Dazu kommt die Angst vor dem, was kommen mag. 
Gärtnern, ausreichenden Schlaf, Seniorensport - das Unbekannte ist nur in Abenteuerromanen ein Freund. Und dann auch nur, wenn man nicht davon leben muss. 
 
Nun weiß ich nicht, wie Frau Merkel das mit den Betten oder dem Fußballspielen hält. 
Aber als Kanzlerin will sie aufhören. 
Die meisten finden das gut und mutig, auch wenn sie sie viel lieber noch einmal wählen würden als den Herrn Laschet aus Aachen. 
 
Selbst zu bestimmen, wann man aufhört, sei das Allerbeste, hört man überall.


 
Fra(n)g: 
Wenn das tatsächlich so sein sollte, fragt man sich, warum so wenige Leute sich dafür entscheiden. 
 
ANTreas: 
Vielleicht, weil der Scheuer-Andi ihnen zeigt, dass man ewig weiterwurschteln kann. 
 
Fra(n)g: 
Aber niemand mit einigermaßen gesundem Menschenverstand würde sich den zum Vorbild nehmen. Obwohl… 
<denkt nach> 
Man soll ja nach Positivem suchen. Okay… Die Frisur ist in Ordnung. 
Aber ansonsten: Vorbild für gar nichts. 
 
ANTreas: 
Das stimmt. 
Regelmäßige Gewinner der Wahl zum schlechtesten Bundesminister. 
Der ist doch eher ein Mahnmal. Er erinnert uns daran, dass Aufhören besser sein kann als Weitermachen. 
 
Fra(n)g: 
Allein, das Mahnmal hat nicht mal ihn selbst zum Handeln animiert. 
 
ANTreas: 
Dabei hätte der Andi sich seinen bayerischen Landsmann, denn Herrn Wir-sind-Papst zum Vorbild nehmen können. 
 
Fra(n)g: 
Hat der von sich aus aufgehört? 
 
ANTreas: 
Der hatte ja nur den lieben Gott als Chef und musste auch nicht zur Wiederwahl. 
Ich habe gelesen, er fand sich zu alt für Papst.  
Aber weil er nicht so gesprächig war, und wenn, nur auf Latein, weiß man das nicht so genau. 
 
Fra(n)g: 
Ist er denn, wie die Protestantin Merkel, fürs Beenden der Laufbahn gepriesen worden? 
 
ANTreas: 
Die Leute haben ihm eher Respekt gezollt. Das ist was anderes, irgendwie ein bisschen weniger. 
Wenn zu viele denken, besser ist, dass er weg ist, dann wird der Applaus dünner. 
 
Fra(n)g: 
Ohje, dann würde der Scheuer-Andi noch nicht einmal bei einem Rücktritt ein wenig gefeiert? 
 
ANTreas: 
<schüttelt mit ernster Miene den Kopf> 
Nur „Halleluja, weg ist er!“, das aber als vielstimmiger Kanon. 
 
Fra(n)g: 
Das ist schon ein bisschen traurig. 
 
ANTreas: 
Kein Wunder, dass so wenig Leute sich trauen aufzuhören.  
 
Fra(n)g: 
Wahrscheinlich kann man es nur, wenn man sicher weiß, dass man keine Niete ist? 
 
ANTreas: 
Dass der Scheuer-Andi daran heimlich zweifelt, macht ihn sympathisch. 
 
Fra(n)g: 
Eine okay Frisur und nicht so größenwahnsinnig, wie man auf den ersten Blick geglaubt hat. 
Wahrscheinlich hängt er sich diesen Text übers Bett. So viel Lob ist der gar nicht gewöhnt. 
 
ANTreas: 
Wir zwei eingerahmt, das wäre schön. 
Dann erinnert der Andi sich immer daran, dass Aufhören was für die ganz Selbstbewussten ist. 
 
Fra(n)g: 
Wäre dann nicht Markus Thomas Theodor Söder ein hervorragender Kandidat? 
 
ANTreas: 
Der hätte ja in Bayern aufgehört, wenn er in Berlin eine Wohnung gekriegt hätte. 
Aber in die ist der neue Freund von Herrn Merz eingezogen. 
 
Fra(n)g: 
Hat Markus Thomas Theodor nicht immer gesagt, „mein Platz ist in Bayern“? 
 
ANTreas: 
Sogar mit Dackelblick hat er das immer wieder wiederholt. 
Allerdings nur, bis er den Hut in den deutschen Ring geschmissen, der Ring ihm den aber mit leichten Beulen zurückgegeben hat. 
 
Fra(n)g: 
Bei dem ist das wirklich kompliziert. 
Man könnte meinen, er sagt es einmal so und einmal so. 
 
ANTreas: 
Das könnte man. 
Das tun aber andere auch. 
Manche kommen sogar nach dem Aufhören einfach wieder. 
So wie der Herr Merz aus dem Sauerland. 
 
Fra(n)g: 
Aber der wurde doch aufgehört. 
 
ANTreas: 
Trotzdem war er weg. Mit seiner gesamten Bierdeckelsammlung.  
Und vor Wiederkehrern sollte man traditionell auf der Hut sein. The Walking Dead und so. 
 
Fra(n)g: 
Sie sprechen von Zombies? 
<überlegt> 
Oder denken Sie an Gerhard Schröder in der Daunenweste? 
 
ANTreas: 
Der hat ja was anderes zu tun. Er muss sich um seine fünfte frische Frau und Freunde in Frank…, ach nee, das war ja leider Russland, kümmern. Hätte so schön alliteriert. 
 
Fra(n)g: 
Kann es also sein, dass wir bessere Alternativen brauchen, damit mehr Leute aufhören? 
 
ANTreas: 
Sie meinen so etwas wie die Aussteigerprogramme für Extremisten. 
 
Fra(n)g: 
Oder Parallelwelten für die Minister und Chefs, in denen sie sich weiter wichtig fühlen können. 
 
ANTreas: 
Das Ikea-Bällebad! 
 
Fra(n)g: 
Ich denke da eher an Weltraum-Tourismus. 
Da ist man Captain in einer sowieso vom Auto-Pilot gesteuerten Rakete. 
 
ANTreas: 
Und ist man einmal auf der Umlaufbahn, braucht man auch keinen Brennstoff mehr. 
Eine super Idee! 
Die bleiben einfach da oben, fliegen im Kreis und grüßen die Erdlinge. 
 
Fra(n)g: 
<aufgeregt> 
Und wir nennen das Ganze AfA: Alternative für Aufhörer! 
 
ANTreas: 
Dann können wir gleich noch Frau Weidel und ihre Kollegen zum Aufhören überreden. Die merken das mit dem einen Buchstaben vielleicht gar nicht. 
 
Fra(n)g: 
<immer noch aufgeregt> 
Und ganz nebenbei würde der Quatsch der Herren Musk, Branson und Bezos auf einmal Sinn machen! 
 
ANTreas: 
Aber nur dann. 
Nur dann, mein Lieber. 
<zieht sich im Gefühl, der Welt Unheil ersparen zu können, zurück> 

 

Die nächste neue Folge gibt es diesmal erst in vier Wochen, voraussichtlich am 21. Oktober